IT-Planungsrat

Moderne Bürgerdienste

Das Koordinierungsprojekt Moderne Bürgerdienste fasst verschiedene Aktivitäten zusammen, die die Möglichkeiten der Kommunikation von Bürgern und Unternehmen mit der Verwaltung mittels IT verbessern oder erweitern. Die Aktivitäten sind mit dem Stichwort "Multikanal-Strategie" verknüpft. Damit ist die Integration verschiedener Zugangskanäle zur Verwaltung gemeint, die im Kern auf die Etablierung eines One-Stop-Governments hinauslaufen. Im Koordinierungsprojekt wurden konzeptionelle Vorarbeiten geleistet, diese praxisnah erprobt und die gewonnenen Erfahrungen zur Nachnutzung im föderalen Kontext zur Verfügung gestellt.

Das Koordinierungsprojekt basierte bislang auf drei Säulen. Die Aktivitäten in der Säule "Kooperative Bürgerbüros und 115" unter Federführung von Mecklenburg-Vorpommern wurde im Jahr 2014 beendet. Die Säule "115-App" unter Federführung von Rheinland-Pfalz wurde zu einem eigenen Koordinierungsprojekt umgewandelt.

Die Säule "Bürgerterminals und mobile Bürgerkoffer" wurde unter Federführung des Freistaats Sachsen bearbeitet. Leitgedanke war dass der demografische Wandel einen Abbau von Behördenstandorten insbesondere im ländlichen Raum bedingen kann. Daher wurden Bürgerterminals und mobile Bürgerkoffer als neue, alternative Möglichkeiten eines Verwaltungszugangs "vor Ort" konzipiert und pilotiert. Begleitet wurde die Pilotierung durch eine externe wissenschaftliche Evaluierung. Das Sächsische Staatsministerium des Innern hatte das Potsdamer Insitute for eGovernment (unter Leitung von Prof. Tino Schuppan) beauftragt. Die Ergebnisse und Erfahrungen des begleitenden Monitorings wurden umfassend dokumentiert und in einem Evaluierungsbericht zusammengefasst.

Die Evaluierung hat gezeigt, dass der erwartete Erfolg von Bürgerkoffer und Bürgerterminal nicht eingetreten ist. Beide Komponenten sind für bestimmte Verfahren konfiguriert und nutzbar und können dort sinnvoll eingesetzt werden, wo gleichartige Verfahren abgewickelt werden sollen. So ist beispielsweise der Bürgerkoffer sinnvoll in Heimeinrichtungen einsetzbar, wenn Heimbewohnerinnen und -bewohner etwa neue Ausweisdokumente beantragen müssen. Einsatz, Pflege und Wartung der Hard- und Software sind jedoch personalintensiv und technisch anspruchsvoll. Nur wenn das gewährleistet werden kann, können die genannten Erfolge eintreten. Insgesamt ist festzustellen, dass die Zweck-Mittel-Relation in vielen Fällen zuungunsten des Einsatzes von Terminal und/oder Koffer ausfiel. Das Ergebnis lehrt, dass weiter nach Möglichkeiten gesucht werden muss, die im ländlichen Raum, abseits von Behördenstandorten, Bürgerinnen und Bürgern einen alternativen Zugang zur Verwaltung eröffnen.

Federführung: Freistaat Sachsen

Abschluss: 30. September 2015